Landesanstalt für Altlastenfreistellung

Chemieparksicherung Bitterfeld-Wolfen

LageLandkreis Anhalt-Bitterfeld, Stadt Bitterfeld-Wolfen
Größe1.300 ha
Der Projektbereich entspricht weitgehend dem ÖGP Bitterfeld-Wolfen.
SchadstoffpotenzialDie spezielle Gefährdungssituation ergibt sich aus dem Wiederanstieg von teilweise kontaminiertem Grundwasser im ÖGP Bitterfeld-Wolfen.
Sicherungsmaßnahmenbauliche Abdichtung und Auftriebssicherung von Gebäuden, Anlagen und Infrastruktur; Grundwasserabsenkung mittels Drainagen; Überwachung von Grundwasserständen und -beschaffenheit
AnsprechpartnerEvelyn Schaffranka ist Projektleiterin der LAF für das Projekt.

Ausgangssituation

Im Großraum Bitterfeld wurde unter anderem mit dem Ende des Braunkohlebergbaus und mit dem starken Rückgang des Brauchwasserbedarfs der chemischen Industrie eine Vielzahl von Grundwasserhebungsmaßnahmen eingestellt. Auch im ChemiePark Bitterfeld-Wolfen ist es dadurch zu einem großräumigen Grundwasserwiederanstieg gekommen.

Im jetzt wieder flurnah anstehenden Grundwasser findet sich aufgrund der Altlastensituation das standorttypische Schadstoffspektrum. Das Wasser wirkt auf unterirdische Bauteile von Gebäuden, Anlagen und Infrastruktur ein. Es ergeben sich teilweise bautechnische Gefährdungen für die betroffenen Objekte. Außerdem bestehen Gefährdungen durch in Gebäude, Anlagen und Infrastruktur eindringendes, in weiten Bereichen kontaminiertes Grundwasser. Die wirtschaftliche Tätigkeit der betroffenen Unternehmen wird dadurch beeinträchtigt, weil Gebäude und Anlagen nicht wie vorgesehen genutzt werden können oder weil Aufwendungen für die Ableitung und Entsorgung von eindringendem Grundwasser entstehen.

Die Sicherung des ChemieParks gegen die Auswirkungen des Grundwasserwiederanstiegs auf Gebäude, Anlagen und Infrastruktur ist Zielstellung des hier vorgestellten Projektes Chemieparksicherung Bitterfeld-Wolfen.

Projektansatz

Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt (LAF), die jetzige ChemiePark Bitterfeld-Wolfen GmbH (CPG) und die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) haben die Durchführung des Projektes Chemieparksicherung vereinbart und stellen den Großteil der notwendigen Finanzmittel zur Verfügung. Die LMBV beteiligt sich ausschließlich finanziell am Projekt. Federführender Projektpartner und Ansprechpartner ist die LAF.

Die Maßnahmen werden "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht" initiiert, begleitet und finanziert, die im Projekt unterstützten Ansiedler beteiligen sich an den Kosten. Die Sicherung von Objekten gegen die Auswirkungen von Perioden außergewöhnlich hoher Grundwasserneubildung oder gegen Hochwasserereignisse, sowie gegen damit verbundene hohe Grundwasserstände sind nicht Gegenstand des Projektes Chemieparksicherung.

Mit dem aktuellen Kenntnisstand werden betroffene Gebäude und Anlagen nun vor allem baulich, zum Beispiel durch Kellerverfüllung, den nachträglichen Einbau von wasserundurchlässigen Betonwannen und die Umverlegung von Anlagentechnik und Medienleitungen gegen den Einfluss des Grundwassers gesichert. In Teilbereichen des ChemieParks und unter bestimmten Umständen erfolgt die Sicherung von Objekten auch mittels Grundwasserabsenkungen durch Drainagen oder Brunnen. Beginnend mit der Beurteilung der Betroffenheit nach der Zielstellung und den Maßstäben des Projektes sind für die einzelnen Objekte jeweils umfangreiche gutachterliche Grundlagen zu erarbeiten.

Meilensteine

2007Unterzeichnung der Vereinbarung zur Durchführung des Projektes
2008 bis 2011umfangreiche Erarbeitung der erforderlichen fachtechnischen Grundlagen - u.a.
  • hydraulische Modellrechnungen
  • Bestandserfassung für Gebäude und Anlagen
  • Errichtung eines gesonderten Netzes von Grundwassermessstellen zur Überwachung der flurnahen  Grundwasserstände und -beschaffenheiten
  • Ermittlung der Betroffenheit von Objekten, das heißt von Gebäuden, Anlagen und Infrastruktur
  • Gefährdungsermittlungen, Variantenvergleiche
seit 2010Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen für betroffene Objekte

Projektumfang und Kosten

Speziell im Rahmen des Projektes Chemieparksicherung werden regelmäßig etwa 60 flurnah ausgebaute Grundwassermessstellen überwacht. Für 74 Gebäude und Anlagen wurden bisher Bestandspläne gesichtet, Vermessungen durchgeführt und der Betroffenheitsstatus ermittelt. Für 20 Gebäude und Anlagen wurden mit Stand Dezember 2015 Baumaßnahmen zur Sicherung begonnen oder bereits abgeschlossen.

Die langfristigen Gesamtkosten für das Projekt werden ca. 26 Mio. EUR betragen. Bis Dezember 2015 wurden für die Sicherungsmaßnahmen und deren fachtechnische Vorbereitung ca. 12,7 Mio. EUR aufgewendet.

Projekterfolge / Ansiedlung

Bezogen auf die Gefährdungen durch den Grundwasserwiederanstieg wurde mit den bisher begonnenen oder bereits abgeschlossenen Maßnahmen die Tätigkeit von zwölf Unternehmen im ChemiePark gesichert.

Die Sicherung von Neubauten im Zuge von Investitionen wird von den Ansiedlern selbst übernommen, da die Standortgegebenheiten von vornherein berücksichtigt werden müssen. Eventuelle kontaminationsbedingte Aufwendungen werden in diesem Fall üblicherweise im Rahmen des ÖGP Bitterfeld-Wolfen behandelt. Unabhängig davon können die Aktivitäten durch die LAF und die CPG mit dem umfassenden Know-How aus dem Projekt Chemieparksicherung beratend unterstützt werden.

Als Standortgesellschaft ist die CPG der Partner für den Grundstückserwerb im ChemiePark Bitterfeld-Wolfen.