Landesanstalt für Altlastenfreistellung

ÖGP Buna

LageLandkreis Saalekreis, Gemeinde Schkopau, ca. 10 km südlich von Halle/Saale
Größe680 ha
Schadstoffpotenzialvor allem chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW), daneben BTEX, Quecksilber
SanierungsmaßnahmenQuellensanierung im Boden durch Bodenaustausch, Abtromsicherungen zur Verhinderung der Ausbreitung kontaminierten Grundwassers, Quellensanierung im Grundwasser (Förderung und Reinigung)
AnsprechpartnerEvelyn Schaffranka ist Projektleiterin der LAF für das Projekt.

Ausgangssituation

1936 wurde am Standort durch die IG Farben mit dem Bau des weltweit ersten Synthesekautschukwerkes begonnen. 1937 wurde unter dem Namen Buna-Werke GmbH Schkopau die Produktion aufgenommen. Das klassische Verfahren zur Herstellung von synthetischem Kautschuk, die Polymerisation von Butadien mit Natrium war namensgebend. Daneben wurden unter anderem Polyvinylchlorid (PVC) und organische Lösungsmittel produziert. Das in der Produktion benötigte Chlor wurde dabei im Chlor-Alkali-Elektrolyse-Verfahren gewonnen, bei dem in größerem Umfang Quecksilber verwendet wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Produktionsprofil beständig erweitert. "Plaste und Elaste aus Schkopau" wurde zum prägenden Slogan für die Produktionspalette der DDR-Ära. Dabei entstanden weitere Großanlagen für die Carbid-, Chlor-, Vinylchlorid- und PVC-Herstellung.

Die Jahrzehnte der intensiven industriellen Nutzung, der dabei teils sorglose Umgang mit Gefahrstoffen sowie Kriegseinwirkungen und Havarien verursachten nachhaltige massive Schadstoffeinträge in Boden und Grundwasser. Das Schadstoffspektrum umfasste dabei vor allem CKW, BTEX und Quecksilber. Besonders CKW und BTEX konnten sich über den wasserungesättigten Boden hinaus bis in die darunter liegenden Grundwasserleiter ausbreiten. Die geologische Situation am Standort ist komplex, Kontaminationen lassen sich bis in die Schichten des anstehenden Buntsandsteins nachweisen. Zum Teil haben sich CKW im Untergrund als "Schwerphase-Pools" angesammelt, die langfristig als sekundäre Schadstoffquellen wirken.

In Fließrichtung des Grundwassers, etwa 500 m nordöstlich des Standortes befindet sich der Flusslauf der Saale.

Projektansatz

Anfang der 1990er Jahre konnte bereits von erheblichen Umweltschäden ausgegangen werden. Als Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Standortes wurden daher die damalige Buna AG / Buna Sow Leuna Olefinverbund GmbH (BSL) freigestellt. Begleitend zur darauf folgenden Privatisierung und umfassenden Restrukturierung des Buna-Werksgeländes durch einen Großinvestor wurde ein umfangreiches Altlasten-Erkundungsprogramm umgesetzt. Anhand der Erkundungsergebnisse wurde ein Rahmenkonzept erstellt, das Grundlage für die weitere Eindämmung, Sanierung und Überwachung der Umweltschäden am Standort war.

Im Sinne der Gefahrenabwehr wurden nacheinander mit Quecksilber und CKW kontaminierte Böden ausgetauscht. Die Bodensanierung konnte damit weitgehend abgeschlossen werden. In einem weiteren Schritt wurde eine Brunnengallerie errichtet, um den Abstrom CKW-kontaminierten Grundwassers in Richtung Saale zu verhindern (Abstromsicherung). Im Folgenden wurde die Abstromsicherung mit der Inbetriebnahme weiterer Brunnen optimiert. Zeitgleich wurde zur Quellensanierung mit der Grundwasserhebung im CKW-Schadenszentrum begonnen. Zur Grundwasserreinigung werden auf dem Standort derzeit vier Behandlungsanlagen betrieben.

Die Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung des geschädigten Grundwasserkörpers haben sich grundsätzlich als wirksam erwiesen. Aufgaben bestehen weiterhin in der Einbindung noch vorhandener lokaler Grundwasserschäden in die laufende Sanierung sowie deren ständige Optimierung. Kenntnisdefizite ergeben sich insbesondere noch zum wirklichen Ausmaß des CKW-Quellpotentials, da im bisherigen Sanierungsverlauf gewonnene Untersuchungsergebnisse auf die Existenz von Schwerphase-Pools hindeuten. Zur Aufklärung der offenen Fragen bedarf es des Einsatzes innovativer Erkundungsstrategien.

Meilensteine

1993

Freistellung Buna AG/Buna Sow Leuna Olefinverbund GmbH (BSL)

1995

Privatisierung BSL durch The Dow Chemical Company

1995 bis 1999

Erkundungsprogramm zur Kontaminationssituation, Erarbeitung des Rahmenkonzeptes zur Sanierung des Standortes

1999 bis 2002

Bodensanierung

2002 bis 2005

vorläufige Grundwasser-Abstromsicherung

seit 2005

optimierte Grundwasser-Abstromsicherung sowie Grundwasser-Quellensanierung im CKW-Schadenszentrum

Projektumfang und Kosten

Bei der Bodensanierung im Rahmen des Projektes wurden etwa 450.000 t kontaminierter Boden ausgetauscht. Darüber hinaus wurden seit 2002 insgesamt ca. 7,2 Mio. m³ Grundwasser gehoben und gereinigt. Etwa 153,2 t CKW und 13,9 t BTEX wurden so bisher aus dem Untergrund entfernt.

Für die Erkundungs-, Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen im Ökologischen Großprojekt Buna wurden mit Stand 2015 ca. 229 Mio. EUR aufgewendet.

Wirtschaftliche Erholung / Ansiedlung

Im Gegensatz zu anderen ehemaligen DDR-Großbetrieben der Chemieindustrie wurden die Buna-Werke Schkopau nahezu komplett an einen Großinvestor, an The Dow Chemical Company, verkauft. Das Werk Schkopau ist heute als Teil der Dow Olefinverbund GmbH (Dow) ein stabiler Wirtschaftfaktor in der Region und für weitere Investoren ein attraktiver Chemiestandort. Die Ansiedlungspolitik von Dow nach dem Konzept des ValuePark hat seit 1998 zur erfolgreichen Ansiedlung von Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie und anwendungstechnischen Forschung geführt, so z.B.:

  • BYK Kometra GmbH
  • E.ON Kraftwerke GmbH, Kraftwerk Schkopau
  • Fraunhofer-Gesellschaft: Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik/Modultechnologiezentrum Schkopau, Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung/Pilotanlagenzentrum Schkopau
  • Hoyer GmbH
  • INEOS Vinyls Deutschland GmbH
  • Manuli Stretch Deutschland GmbH
  • mitz Merseburger Innovations- und Technologiezentrum GmbH
  • Philippine GmbH & Co. Dämmstoffsysteme KG
  • Styron Deutschland GmbH
  • W.u.H. Fernholz GmbH & Co. KG.