Landesanstalt für Altlastenfreistellung

ÖGP Leuna

LageLandkreis Saalekreis, südlich von Merseburg, zwischen der Stadt Leuna und dem Ortsteil Spergau
Größe1.300 ha
SchadstoffpotenzialMTBE, BTEX, MKW, Phenole, LHKW
SanierungsmaßnahmenPhasenrückgewinnung, Quellensanierung im Boden durch Bodenaustausch im Rahmen von Baumaßnahmen, Abtromsicherungen zur Verhinderung der Ausbreitung kontaminierten Grundwassers
AnsprechpartnerDr. Birgit Harpke ist Projektleiterin der LAF für das Projekt.

Ausgangssituation

Zusammen mit den beiden großen Chemiestandorten Bitterfeld/Wolfen und Buna bildeten die Leuna-Werke das sog. Chemiedreieck in der ehemaligen DDR.

Die Geschichte des Werkes ist die Geschichte vieler bahnbrechender chemischer Erfindungen wie z.B. der industriellen Einführung der Ammoniaksynthese (1916), der Hydrierung von Kohle zu Kraftstoffen (ab 1927) oder der Synthese von Caprolactam zur Erzeugung von Perlon (1938).

In den Kriegsjahren zwischen 1943 und 1945 wurden zahlreiche Produktionsanlagen zerstört. Insbesondere durch die Kriegseinwirkungen aber auch durch Handhabungsverluste und Havarien wurden massive Schadstoffeinträge hauptsächlich von Kraftstoffen und Kraftstoffadditiven von mehreren Tausend Tonnen verursacht.

Die Schadensschwerpunkte befinden sich im zentralen, südlichen und nördlichen Bereich des östlichen Werkteils I sowie im nördlichen Bereich des westlichen Werkteils II. Hauptschwerpunkt mit dem größten Gefahrenpotenzial ist das Gelände der ehemaligen Alten Raffinerie im Werkteil I.

Der Rückbau der oberirdischen alten Anlagen und Gebäude erfolgte im Rahmen eines systematischen Rückbauprogramms und ist abgeschlossen.

Projektansatz

Auf dem Gelände des Standortes Leuna befindet sich heute ein moderner Chemiepark. Die Sanierungsstrategien werden daher in enger Abstimmung mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes erarbeitet und umgesetzt.

Für das ÖGP Leuna wurde ein Sanierungsrahmenkonzept entwickelt. Darauf baut ein detaillierter Maßnahme-, Kosten- und Terminplan auf, der als "Fahrplan" für die Standortsanierung dient. Er wird auf der Grundlage der Untersuchungs- und Sanierungsergebnisse kontinuierlich fortgeschrieben.

In der ersten Phase der Umsetzung des Rahmensanierungskonzeptes wurde der Abstrom kontaminierter Grundwässer vom Werksgelände unterbunden. Mit der Errichtung der ca. 450 m langen Dichtwand als zentrales Element der Abstromsicherung im Werkteil I /Mitte wurde zugleich die Kette der Abstromsicherungen über die gesamte Erstreckung des Werksgeländes hin zum Vorfluter Saale im Jahr 2005 vollständig geschlossen. Ein umfangreiches kontinuierliches Grundwassermonitoring ermöglicht die Überwachung dieser Sicherungsmaßnahmen. Zugleich werden die Sicherungsmaßnahmen durch eine Abschöpfung von auf dem Grundwasser aufschwimmenden Ölphasen innerhalb des Werksgeländes gestützt.

Ein besonderer Schwerpunkt ist die Umsetzung des vom Helmholtz–Zentrum für Umweltforschung GmbH Leipzig (UFZ) aus den am Standort durchgeführten Forschungsarbeiten "Compartment Transfer" (CoTra) entwickelten passiven Verfahrens zur biologischen Abreinigung von Schadstoffen in vertikalen Bodenfiltern. Im Rahmen der Kooperation von LAF, UFZ und der Projektträgerin MDVV konnte das Verfahren mit einem Pilotmodul auf eine mögliche Umsetzung in den technischen Maßstab mit Erfolg getestet werden. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde eine Großanlage als Ersatz für die vorhandene konventionelle Behandlungsanlage zur Reinigung von MTBE- und Benzol-belastetem Grundwasser im Bereich der Abstromsicherung im Werkteil I/ Mitte errichtet, die im 2. Quartal 2014 in Betrieb genommen wurde und seitdem völlig störungsfrei läuft. 2015 begannen die Tests zum möglichen Einsatz des Verfahrens in einem weiteren Abschnitt der Abstromsicherung.

In der aktuell andauernden zweiten Phase der Sanierung werden die Kontaminationsschwerpunkte in Boden und Grundwasser innerhalb des Werksgeländes weiter saniert. So konnten umfangreiche Quellensanierungen zur Reduzierung des Schadstoffpotentials mit Baufeldfreimachungen für weitere Ansiedlungen im Bereich der ehemaligen Alten Raffinerie verknüpft werden.

Meilensteine

1998-2004Durchführung der Detail- und Sanierungserkundungen, Erarbeitung des Sanierungsrahmenkonzeptes
2003Beginn der Kooperation mit dem UFZ (heute Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) zur Sanierungsforschung
2005Schließen der Kette von Abstromsicherungen an der östlichen Werksgrenze mit der Errichtung der Dichtwand im Werkteil I/Mitte
2006 bis 2012Quellensanierungen im Bereich der ehemaligen Alten Raffinerie im Rahmen von Baufeldfreimachungen
2011/2012erfolgreiche Umsetzung des passiven Verfahrens zur biologischen Abreinigung von Schadstoffen in vertikalen Bodenfiltern (CoTra) in den technischen Maßstab
2014Umsetzung des CoTra-Verfahrens in eine Großanlage als Ersatz für die konventionelle Behandlungsanlage

Projektumfang und Kosten

Seit 2001 wurden rund 35 umfangreiche Maßnahmen zur Sanierung des Grundwassers und Bodens umgesetzt, dabei wurden ca. 486.000 Tonnen kontaminierten Bodens entsorgt. Jährlich werden ca. 350.000 m³ kontaminiertes Grundwasser gereinigt und damit rund 2.300 kg Schadstoffe entfernt. Mittels Phasenrückgewinnung konnten bisher rund 1.347.000 Liter Phase vom Grundwasser abgeschöpft werden.

Bisher wurden im Projekt Maßnahmen mit einem Kostenvolumen von ca. 87,7 Mio. EUR durchgeführt.

Wirtschaftliche Erholung / Ansiedlung

Nach 1990 konnten größere Werksteile und -gebiete in kurzer Zeit privatisiert und zahlreiche Unternehmen neu angesiedelt werden. Heute stehen von den ursprünglich 1.300 ha Werksfläche noch ca. 70 ha für Neuansiedlungen zur Verfügung. Bereits angesiedelt haben sich u. a.:

  • TOTAL Deutschland GmbH
  • ATOFINA Deutschland GmbH
  • DOMO Caproleuna GmbH
  • Linde Gas AG
  • LEUNA-Harze GmbH
  • STEAG AG
  • MVV (TREA-Anlage)
  • Kartogroup Deutschland GmbH
  • Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP

Mit ca. 9.000 Beschäftigten in mehr als 100 Firmen zählt Leuna heute zu den größten Standorten der Chemischen Industrie in Deutschland.

Als Standortgesellschaft ist die InfraLeuna GmbH Eigentümerin und Betreiberin der Infrastruktureinrichtungen am Standort und zugleich auch Standortentwicklerin.