Landesanstalt für Altlastenfreistellung

ÖGP Magdeburg-Rothensee

LageMagdeburg Ortsteil Rothensee
Größeca. 1.000 ha
SchadstoffpotenzialMKW, AKW, Phenol, PAK und Schwermetalle
SanierungsmaßnahmenGrundwassersanierung, Teerseesanierung, lokale Bodensanierungen
AnsprechpartnerKlaus Heise ist Projektleiter der LAF für das Projekt.

Ausgangssituation

Das ÖGP Magdeburg-Rothensee umfasst ein ca. 1.000 ha großes Gewerbe- und Industriegebiet im Nordosten der Landeshauptstadt Magdeburg. Die intensive Nutzung des Areals im 20. Jahrhundert als Standort zur Produktion u.a. von Kohleprodukten (Stadtgas, Koks) oder der Verhüttungsindustrie führte zu einer produktionsspezifischen Kontamination von Boden und Grundwasser.

Projektansatz

Seit Anfang der 1990er Jahre wird das ÖGP intensiv auf Boden- und Grundwasser-kontaminationen untersucht. Im Ergebnis dieser Untersuchungen wurden Gebiete mit Sanierungsbedarf ausgewiesen, die i. d. R. ehemaligen Betriebsgeländen entsprechen. Die Bearbeitungsreihenfolge der Flächen im ÖGP hängt grundsätzlich vom Gefahrenpotenzial ab. Bei aktuellen Ansiedlungs-/Investitionsmaßnahmen wird die Bearbeitung der betroffenen Teilfläche jedoch vorgezogen wobei die Planung für das Gelände mit dem Investor koordiniert wird. Ziel ist die kurzfristige Bereitstellung sanierter Flächen für die wirtschaftliche Nutzung.

Meilensteine

2003-2005 Sanierung Gelände ehem. Holzimprägnierwerk

  • Die Sanierung der Erweiterungsfläche auf dem Gelände des ehem. Holzimprägnierwerkes ist 2004 abgeschlossen worden. Trotz Auffindens zuvor nicht bekannter unterirdischer Bauwerke und massiver Kontaminationen konnte die Sanierung termingerecht abgeschlossen werden.

2002-2004 Sanierung Teerseen ehem. Großgaserei

  • Auf dem Südgelände der ehem. Großgaserei (Teerseegelände) wurden von 2002 bis 2004 aus sieben Teerseen rd. 76.000 t flüssige bis feste Teere sowie andere Abfälle entnommen, abtransportiert und in genehmigten Anlagen entsorgt. Die Teerseesanierung war zwingende Voraussetzung für die weitere Nutzung und Erschließung des Geländes. Im Jahr 2010 erfolgte der Bau einer Spundwand, welche zum einen der Magdeburger Hafen GmbH als Schiffsanlege- und Umschlagstelle dient und zum anderen den Grundwasserstrom von der Fläche in das Hafenbecken unterbindet.

2004-2008 Sanierung ehem. Gaswerk (Handelshafen)

  • Mit der Sanierung von Teergruben und Bodenkontaminationen ist der Standort des ehem. Gaswerks in den Jahren 2004 (sieben Gruben), 2007 (neun Gruben) und 2008 (Bodensanierung) im Zuge investitionsvorbereitender und -begleitender Sanierungsmaßnahmen revitalisiert worden. Heute wird das Gelände von den Städtischen Werken Magdeburg als zentraler Betriebshof genutzt.

2006 Entwicklung Grundwassermodell Rothensee

  • Seit 2006 wird ein Grundwassermodell für den Standort Rothensee aufgebaut und mit Daten aus dem teilflächenübergreifenden Grundwassermonitoring sowie aus Bau- und Erkundungsmaßnahmen fortgeschrieben. Das Modell dient zur Klärung hydraulischer Fragestellungen, Berechnung von Sanierungsszenarien und Ermittlung von Schadstofffrachten. Darüber hinaus wird das Modell im Auftrag der Magdeburger Hafen GmbH und der Landeshauptstadt Magdeburg zur Prognose von Hochwasserereignissen und Hochwasserschutzkonzepten genutzt.

2008-2009 Sanierung BEMA-Gelände

  • Auf dem ehem. Betriebsgelände der BEMA wurden Produktionsabfälle aus der Lindan-Produktion abgelagert. Im Zuge einer Betriebserweiterung sind ca. 3.800 t HCH-belasteter Boden entsorgt worden. Zur Verhinderung von Staubverwehungen und zur Unterbrechung des Wirkungspfades Boden-Mensch ist die angrenzende BEMA-Halde im Zeitraum September 2008 bis Mai 2009 durch eine Oberflächenabdeckung gesichert worden.

2009 Ehem. Minol-Tanklager

  • Boden- und Grundwasser des ehem. Minol-Tanklagers sind durch Kriegseinwirkungen, Handhabungsverluste und insbesondere durch eine Havarie in der 70er Jahren z. T. erheblich kontaminiert. Für die Nachnutzung und Revitalisierung des Geländes sind bauvorbereitend und -begleitend Bodenkontaminationen in der ungesättigten Bodenzone beseitigt worden. Im Anschluss daran wurde eine Grundwassersanierung mittels Air-Sparging durchgeführt, die gute Reinigungsleistungen erzielte. Die Maßnahme wurde im Jahr 2015 abgeschlossen.

2010 Spundwand Gelände ehem. Großgaserei

  • Im Rahmen der Revitalisierung des Südgeländes der ehem. Großgaserei ist im Anschluss an die Teerseesanierung zusammen mit der Magdeburger Hafen GmbH ein erstes Teilstück (250 m) einer Spundwand errichtet worden. Die Spundwand verhindert den Abstrom belasteten Grundwassers in den Hafen und die Elbe. Gleichzeitig dient die Spundwand zur Herstellung einer Umschlagfläche für Binnenschiffe und damit zur wirtschaftlichen Nachnutzung des Standortes. Ein wesentlicher Meilenstein zur Revitalisierung des Geländes ist die Errichtung der Erschließungsstraße, die 2013 fertiggestellt wurde. Zwischenzeitlich ist der Großteil der erschlossenen Flächen vermarktet. Zur Sicherung des Grundwasserabstroms müssen die vorhandenen Spundwände verlängert und durch eine Dichtwand ergänzt werden. Das dazu erforderliche Sicherungssystem befindet sich in der Planungsphase und wird voraussichtlich im Zeitraum 2016 bis 2018 realisiert.

Projektumfang und Kosten

Bisher wurden im Projekt Maßnahmen mit einem Kostenaufwand von ca. 40,8 Mio. EUR durchgeführt.