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Rubrik 1 - Finanzierung

Wie hoch ist das Projektbudget?

Der LAF stehen im Rahmen von LINDANET über die Projektlaufzeit von 3,5 Jahren Mittel in Höhe von 224.850 € zur Verfügung. In Phase 1 (01.08.2019 – 31.01.2022) belaufen sich diese auf 211.850 €, in der zweiten Phase (01.02.2022 – 31.01.2023) auf 13.000 €. Jeweils 85 % davon werden von Interreg Europe bereitgestellt, die restlichen 15 % stammen aus Landesmitteln (vgl. Abb. 1).

Das Budget dient primär der Finanzierung von im Rahmen des Projekts anfallenden Mitarbeiterkosten aber auch zur Deckung von Kosten für den Besuch und die Veranstaltung von regionalen und internationalen Projekttreffen, für die Öffentlichkeitsarbeit sowie für administrative Aufgaben.

Was ist Interreg Europe?

Interreg Europe ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Seit mehr als 20 Jahren werden damit grenzüberschreitende Projekte unterstützt, welche auf eine ausgewogene regionale Entwicklung sowie eine Verbesserung der Lebensqualität innerhalb der EU abzielen. Neben der Förderung der Infrastruktur und des Umweltschutzes, zielt Interreg Europe zudem auf den Ausbau eines sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalts innerhalb der Europäischen Union ab.

Insgesamt verfügt Interreg Europe zwischen 2014-2020 über finanzielle Mittel in Höhe von 359 Millionen Euro. Diese stammen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und sollen in allen EU-Mitgliedsstaaten in vergleichbarer Form eingesetzt werden.

Rubrik 2 - Ökologisches Großprojekt (ÖGP) Bitterfeld-Wolfen

Im ehemaligen Elektrochemischen bzw. Chemiekombinat Bitterfeld wurden von 1951 bis 1982 jährlich zwischen 200 und 650 Tonnen Lindan produziert. Dabei fielen mindestens 70.000 Tonnen HCH-Abfall an, welcher primär in den ehemaligen Tagebaurestlöchern Grube Antonie und Titanteiche verkippt wurde. Zudem wurde der Bauschutt der bis 1963 aktiven Lindan-Fabrik aus Areal E in der Deponie Heideloh eingelagert. Weitere historische HCH-Quellen stellen ehemalige, oberflächliche HCH-Ablagerungen und –Umschlagsplätze dar. Darüber hinaus wurden bis ins Jahr 1982 jährlich bis zu 2 Tonnen des kanzerogenen, hormonell aktiven, lipophilen und persistenten Schadstoffs HCH über das Abwasser über die Vorfluter in die Mulde geleitet.

Aus diesem Grund wurden seit 1990 zahlreiche Maßnahmen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen durchgeführt. Dazu gehörten die Sicherung der Grube Antonie, partielle Auskofferung der Titanteiche, die Abdeckung der Klärteiche Süd sowie zahlreiche Bodenauskofferungen auf dem Gelände. Zudem wird über Abstromsicherungsmaßnahmen kontinuierlich belastetes Grundwasser gefördert und gereinigt und damit beispielsweise im Jahre 2018 28,9 kg HCH aus dem Untergrund entfernt. Aktuell findet darüber hinaus eine Untersuchung des Reinabwassernetzes des Chemieparks statt, um etwaige Eintragsquellen von HCH in das stark verzweigte Abwassersystem lokalisieren und ein hinreichendes Verständnis des Reinabwassersystems erlangen zu können. Darauf basierend können mitunter geeignete Maßnahmen abgeleitet werden mit dem Ziel, eine Frachtreduzierung von Kontaminanten aus dem Chemiepark zu bewirken und die Gewässerqualität im Schachtgraben und Spittelwasser zu verbessern. Somit kann festgehalten werden, dass bereits umfangreiche Maßnahmen im ÖGP Bitterfeld-Wolfen durchgeführt wurden bzw. aktuell werden und HCH am Standort aus gefahrenabwehrtechnischer Sicht gesichert vorliegt. Die Hauptproblematik, welcher sich die Stakeholder aus Natur- und Umweltschutz im Land Sachsen-Anhalt jedoch gemeinsam stellen müssen, betrifft den diffusen Eintrag von HCH aus der Flussaue. Diese einst im Zuge von Hochwasserereignissen aus dem Chemiepark in die Auenbereiche eingebrachte Bodenkontamination, stellt insbesondere im Hochwasserfall eine relevante Schadstoffquelle dar. Daher ist das Hauptziel, im Rahmen von LINDANET die Basis für ein integrales Auenmanagement zu schaffen. Dazu muss zunächst ein Monitoringkonzept erarbeitet und umgesetzt werden, um anschließend flächendeckende Informationen über Schadstoffgehalte in den verschieden Umweltkompartimenten gewinnen zu können. Diese können zu einem späteren Zeitpunkt für die Entwicklung eines Standort-angepassten Flächennutzungskonzepts in der Muldeaue herangezogen werden.

Rubrik 3 - Projektpartner

Vorstellung der Partnersites unserer Projektpartner

Regierung von Aragon: Die mit HCH kontaminierten Flächen befinden sich im Norden der Region und gehen auf die ehemalige Lindan-Fabrik INQUINOSA zurück. Diese befand sich in Sabiñánigo und produzierte zwischen 1975 und 1989 jährlich bis zu 1.700 Tonnen Lindan. Die bei der Produktion angefallenen HCH-Abfälle (>150.000 Tonnen) wurden in die nahegelegenen, z.T. ungesicherten Deponien Sardas und Bailin gebracht. Nach der Schließung der Fabrik 1994 wurden diese umfangreich gesichert und ein flächendeckendes Monitoringprogramm gestartet. Später kam die Förderung von Schwerphase und der Bau von insgesamt 3 Wasserbehandlungsanlagen (2007, 2009 u. 2015), einem Labor (2019), einem Bypass (2020) und einer Safety cell hinzu, in der 2014 der Deponiekörper der Bailin-Deponie eingelagert wurde. In diesem Zuge kam es zu einer Kontamination des deponienahen Gallegoflusses, wodurch die HCH-Problematik zu einem Politikum in Aragon wurde.

Regierung von Galizien: In Galizien, genauer in O Porriño, wurde zwischen 1947 – 1964 Lindan produziert und die Abfälle fabrik- und oberflächennah deponiert. Von dort aus fand eine unkontrollierte Verbreitung des Schadstoffs durch die Bevölkerung statt, welche den Stoff als Pestizid zweiter Klasse und Bausubstanz einsetzte. Dadurch kam es zu einer umfangreichen Kontamination von Boden, Gewässerkörper, Brunnen und Grundwasser, wodurch zahlreiche Maßnahmen in der Region, wie die Schließung von Brunnen und Auskofferung von kontaminiertem Boden, durchgeführt wurden. Dennoch konnte die HCH-Verteilung in der Region noch nicht vollständig rekonstruiert und die Belastung lokalisiert werden, weshalb der Projektpartner aus Galizien erst relativ am Anfang der Beseitigung bzw. Sicherung der regionalen HCH-kontaminierten Standorte steht.

Hauptbergbauinstitut (GIG): In Schlesien (Polen) wurden von 1965 – 1982 jährlich 300 Tonnen Lindan und 4.000 Tonnen HCH produziert. Die HCH-Abfälle wurden in der ehemaligen Bergbauregion Rudna Góra z.T. ungesichert deponiert, wodurch es zu einer großflächigen Kontamination der Region unter anderem mit HCH kam. Obwohl ein Sanierungskonzept besteht, stellt für den Projektpartner aus Polen die Finanzierung des Maßnahmenplans die größte Problematik dar. Da die ehemalige Lindan-Fabrik Organika-Azot S.A. Chemical Plant primär im Auftrag der sozialistischen Regierung agierte und nach der politischen Wende in Polen privatisiert und an die Mitarbeiter übergeben wurde, stellt sich die Frage der finanziellen Verantwortung für die verursachten Umweltschäden. Denn die Mitarbeiter und das Unternehmen sind nicht annähernd in der Lage, die notwendigen Finanzmittel für die Sanierung der kontaminierten Flächen aufzubringen.

Regionalentwicklungsagentur Südböhmen (RERA): In Südböhmen (Tschechien) geht die HCH-Kontamination unter anderem auf die Deponierung von etwa 5.000 Tonnen POPs (Persistent Organic Pollutants) inklusive HCH im Jahre 1995 zurück, welche sich selbst überlassen wurden. Da lediglich der Boden unterhalb des Deponiegeländes betroffen und bereits ausgetauscht wurde, ist der Projektpartner aus Tschechien vergleichsweise weit mit der Beseitigung der regional vorkommenden HCH-Belastung.

Zooprophylaktisches Institut (IZSLT): In Colleferro (Italien) wurde von 1950 – 1980 Lindan produziert und in diesem Rahmen 30.000 – 60.000 Tonnen HCH-Abfall fabriknah deponiert. Von dort kam es zu einer Ausbreitung der Schadstoffe zunächst in und anschließend über den Sacco-Fluss, weshalb ein Gebiet von 54 km Länge und 0,1 - 5,1 km Breite zur Zone von nationalem Interesse erklärt wurde. In diesem Gebiet ist seit dem Jahre 2005 die Verfütterung von Mahdgut reglementiert und ein Biomonitoring von aus diesem Gebiet stammenden Milch-, Tiergewebs- und Futtermittelproben etabliert worden. Es wurden bereits 61.500 m³ kontaminierter Boden und 60.000 Tonnen Sediment ausgekoffert, weitere 157.000 m³ werden zeitnah folgen. Dennoch steht die Region auch nach diesen Maßnahmen durch den bestehenden, diffusen HCH-Eintrag aus den Flussauen weiterhin vor einer großen Herausforderung.