PCB/PCN-Fund bei Egeln

Präsentation der Gutachter
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In der Ehle und im Boden des Ufers wurden für den Menschen gefährliche chemische Stoffe gefunden. Es wurde festgestellt, dass sich in den Sedimenten der Ehle und dem Boden am Ufer der Ehle die Stoffe PCB und PCN befinden. Diese Chemikalien wurden früher zum Beispiel in Transformatoren, Kondensatoren, Hydraulikanlagen und in Holzschutzmitteln verwendet. Sie sind gesundheitsgefährdend und deshalb heute verboten.

Wichtige Hinweise

PCB und PCN gelangen über die Nahrung oder das Einatmen von belasteten Staubteilchen in den Körper. Sie können bei anhaltender Exposition, über lange Zeiträume, rufen gesundheitliche Schäden zum Beispiel an den Nerven hervorrufen; sie schädigen die Fruchtbarkeit und das Immunsystem. Eine Krebs erzeugende Wirkung ist ebenfalls möglich. In die Nahrung gelangen PCB und PCN, wenn die Feldfrüchte die Chemikalien aus dem Boden aufnehmen (z. B. Zuckerrüben) oder Nutztiere mit den Feldfrüchten gefüttert werden (z.B. Silage). Besonders wichtig ist der Schutz der Menschen in Egeln und Westeregeln.

Vorsorglich werden folgende Verhaltensmaßnahmen empfohlen:

Bodenbearbeitung und der Anbau von Nutzpflanzen sollte im Abstand von 0 bis 10m zur Ehle unterbleiben.

Kinder sollten bis auf Weiteres weder am noch im Bach spielen.

Fische aus der Ehle sollten bis auf Weiteres nicht verzehrt werden.

Das Wasser der Ehle sollte bis auf Weiteres nicht zur Bewässerung oder zu anderen Zwecken genutzt werden.

Private und gewerbliche Brunnen sollten bis zum Abschluss der Untersuchung nicht genutzt werden.

>> Was sind PCB und PCN?

Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Polychlorierte Naphthaline (PCN) sind Chlorverbindungen, die zum Beispiel in Transformatoren, Kondensatoren, Hydraulikanlagen (PCB) sowie aufgrund ihrer fungiziden und insektiziden Wirkung zum Beispiel in Holzschutzmitteln (Xylamon) verwendet wurden. PCB und PCN sind in der Umwelt allgegenwärtig. Da sie persistent sind, d.h. kaum abgebaut werden, verteilen sie sich überall in Boden, Wasser und Luft. Die Herstellung und die Verwendung dieser Substanzen wurden mit der Stockholmer Konvention 2004 verboten.

>> Woher kommen PCB und PCN in der Ehle und den Böden?

Die Belastung der Ehle mit PCB und PCN erfolgte mutmaßlich durch die betriebs- und havariebedingten Einträge bei der Herstellung dieser Stoffe. In Westeregeln wurden Kali- und Steinsalz gefördert und verarbeitet. Ein Zwischenprodukt dabei war Chlor. Von 1932 bis 1964 wurde in den ehemaligen Alkaliwerken Westeregeln PCN als wirksamer Bestandteil von Holzschutzmittel und von 1955 bis 1968 PCB als Bestandteil von Transformatorenöl hergestellt.
Wahrscheinlich ist das schadstoffbelastete Abwasser in die Ehle gelangt und hat sich in den Sedimenten der Ehle angereichert. Im Jahr 1961 kam es außerdem zu einem Brand im Tanklager der ehemaligen Alkaliwerke, wobei wahrscheinlich Naphthalinöl und chlorierte Produkte bzw. damit belastetes Löschwasser über die Kanalisation und die Gräben in die Ehle gelangt sind.
Die belasteten Altsedimente der Ehle wurden in Folge von Gewässerunterhaltungsma߬nahmen und Überschwemmungen auch auf die unmittelbar benachbarten Flächen verlagert. Die heute feststellbare Belastungssituation ist durch jahrzehntelange Wirkung dieser verschiedenen Ereignisse entstanden.

>> Wie wurden PCB und PCN in der Ehle und den Böden festgestellt?

Der Landkreis Salzlandkreis, die Stadt Egeln und die Verbandsgemeinde Egelner Mulde wurde in der vergangenen Woche  durch die Landesanstalt für Altlastenfreistellung über einen Bericht zur „Humantoxikologischen Beurteilung von PCB und PCN in Böschungen, Böden und Pflanzen entlang der Ehle“ vom ehemaligen Alkaliwerk Westeregeln bis zur Einmündung der Ehle in die Bode unterrichtet. Durch das Gutachterbüro G.U.T mbH wurden Sedimentproben der Ehle und Bodenproben aus dem Gewässerrandstreifen genommen. Diese Proben weisen zum Teil sehr hohe Konzentrationen PCB und PCN auf.

>> Was tun die Behörden?

Gemäß ihrer Zuständigkeiten werden die betroffenen Behörden in enger Abstimmung und Kooperation umgehend die nötigen Schritte eingeleitet. Der Landkreis Salzlandkreis wird die nötigen Einschränkungen aussprechen und prüfen, welche weiteren Schritte notwendig sind. Durch die Landesanstalt für Altlastenfreistellung wurden bereits weitere Untersuchungen beauftragt, die noch offene Fragen klären sollen. Es ist wichtig, diese Schadstoffe in der Ehle mit den Sedimenten und den angrenzenden Böden soweit erforderlich zu beseitigen und ihre Verbreitung zu unterbinden.

 

Maßnahmen des Landkreises:

Eltern der Kinder, die die Kita besuchen, werden in der Kita informiert. Ein Treffen mit Landwirten wird organisiert. Auch mit den Anliegern wird ein separates Gespräch geführt. Die Grundstückseigentümer werden zeitnah angeschrieben. Angler erhalten Informationen von der Fischereibehörde.

Aktuelle Nachrichten des Landkreises finden Sie auf der Website des Salzlandkreises.