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Wasserrahmenrichtlinie

Rahmendaten

Lage:Landesweit
Gesamtanzahl Projekte:

 30 Oberflächenwasserkörper

Bislang eingesetzte Mittel:2,3 Millionen Euro
Zielstellung: Entwicklung von Konzepten und Sanierungsstrategien, für durch Altlasten beeinträchtige Wasserkörper zur Erreichung der Ziele gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Gewässerschutz von der Quelle bis zur Mündung

Die Richtlinie 2000/60/EG, besser bekannt als die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), schafft einen Ordnungsrahmen für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik. Sie betrachtet den Gewässerschutz von der Quelle bis zur Mündung unter Berücksichtigung der Prozesse im Einzugsgebiet.

Die WRRL gibt vor, alle vorhanden Oberflächengewässer (Fließgewässer und Seen), Grundwasser und Küstengewässer in einen qualitativ „guten Zustand“ zu überführen. Alle sechs Jahre gibt es eine Bestandsaufnahme, deren Ergebnisse die begleitenden Monitoring-Programme, Maßnahmenprogramme und Bewirtschaftungspläne aktualisieren und fortschreiben. Im Ergebnis steht die Einschätzung, ob ein Gewässer oder Grundwasserkörper die Umweltziele der Richtlinie erreicht.

Neben Unzulänglichkeiten bezüglich der ökologischen Durchgängigkeit, des Sedimenttransportes und der Hydromorphologie weisen die Fließgewässer oft auch stoffliche Belastungen auf. Als Reaktion darauf hat das Land Sachsen-Anhalt eine Ad hoc-Arbeitsgruppe „Schadstoffe“ mit

  • der Belastungsanalyse,
  • der Ursachenforschung und
  • der Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen für schadstoffbelastete Wasserkörper

beauftragt. Im Ergebnis ist daraus das Schadstoffkonzept des Landes entwickelt und durch das Sediment-Managementkonzept erweitert worden.

Prioritätenliste für Gewässer mit Altlasten

Das Mandat der Ad hoc-Arbeitsgruppe „Schadstoffe“ gilt aktuell bis 2021, federführend ist der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) hat intensiv an der Erarbeitung einer Prioritätenliste der zu untersuchenden Oberflächengewässer mitgearbeitet. Zur Bewertung werden die Oberflächengewässer in sogenannte Oberflächenwasserkörper (OWK) eingeteilt, die einen einheitlichen und bedeutenden Abschnitt des Oberflächengewässers beschreiben. Insgesamt 28 solcher OWK haben einen Altlastenbezug – sie verfehlen also die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie auf Grund stofflicher Belastungen beispielsweise aus ehemaligen Industriestandorten. Die Untersuchung und Bewertung der 28 OWK erfolgen im Auftrag der LAF, die aufgrund ihrer Fachkenntnisse seit dem 1. Januar 2016 auch für die altlastenbedingte Sanierung von Wasserkörpern zuständig ist.

Flüsse werden unter die Lupe genommen

Bislang sind neben klassischen Wasser- und Sedimentuntersuchungen mehrere Pilotversuche zur flächenhaften geophysikalischen Erfassung von Altsedimentdepots, deren Verbreitung, Mächtigkeit und Schadstoffgehalt in verschiedenen Gewässerkörpern durchgeführt worden – so zum Beispiel in Abschnitten von Bode, Wipper und Saale. Neben chemischen und geophysikalischen Untersuchungen werden auch ökotoxikologische Untersuchungen durchgeführt, um die ökologischen Auswirkungen der Schadstoffe beurteilen zu können. In diesem Zusammenhang konnte für den Unterlauf der Bode eine Schadstoffbelastungskarte erstellt werden. Darauf sind Flussbereiche definiert, die mit Dioxinen belastet sind. Auf Grundlage der erhobenen Daten werden nun sogenannte Hotspots, also Bereiche mit sehr hohen Belastungen, definiert. Diese sollen dann die Basis für Sanierungsarbeiten mit dem Ziel der Schadstoffverringerung im Gewässer bilden.

Die mit polychlorierten Biphenylen (PSB) belastete Ehle bei Westeregeln und die an das Gewässer angrenzenden Nutzflächen wurden in drei Phasen bzgl. ihrer PCB Gehalte untersucht. Aufbauend auf die Erkenntnisse  wird derzeit ein Gesamtkonzept erarbeitet, um eine integrale und nachhaltige Lösung für den Umgang mit den belasteten Gewässer und seinem Umfeld zu finden. Das bereits vorliegende Grobkonzept sieht neben der Gewässersanierung einen parallel zur Ehle verlaufenden ökologischen Entwicklungskorridor vor, der dessen Bepflanzung vorhandene Bodenkontaminationen sichert und gleichzeitig für Ersatz und Ausgleichsfläche genutzt werden kann. Dadurch verbindet der Korridor auf ideale Weise Ökologie, Naturschutz und Ökonomie!

Ab dem Jahr 2021 werden auch Oberflächenwasserkörper im Mansfelder Land durch die LAF untersucht. Es sollen die Auswirkungen des historischen Bergbaus untersucht werden. Es gilt die Einflüsse von Stollenauslässen, Deponien und Halden auf die Qualität der Oberflächengewässer wie beispielsweise die Böse Sieben zu ermitteln und Bilanzen aufzustellen. Ein weiteres Untersuchungsprogramm soll sich mit dem ubiquitären Schadstoffeintrag in verschiedene Gewässer Sachsen-Anhalts beschäftigen. Hier ist die Ausschreibung für 2021 vorgesehen.

Bei allen schadstoffbelasteten Flüssen besteht die Herausforderung darin, dass integrale Lösungen für die durch Gewässer diffus verteilten Schadstoffe über große Flächen gefunden werden müssen. Unter dem Stichpunkt Auenmanagement soll eine Vorgehensweise erarbeitet werden, um hochbelastete Bereiche von weniger oder unbelasteten Bereichen zu unterscheiden und so mit gezielten Maßnahmen eine maximale Schadstoffentfrachtung zu erreichen. Herkömmliche Methoden für Probenahme und Analytik stoßen hier schnell an ihre Grenzen, sodass ein Schwerpunkt auf der Erprobung alternativer Verfahren, beispielsweise aus dem Bereich geophysikalischer Techniken liegt. Der Austausch mit internationalen Partnern (zum Beispiel im Projekt LINDANET zeigt, dass die Relevanz der Thematik nicht auf Sachsen-Anhalt begrenzt ist. Die Herleitung von Strategien und standardisierten Vorgehensweisen hat hohe Relevanz im Hinblick auf die hochgesteckten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie in ganz Europa.

Ansprechpartner

Klaus Heise

Telefon: +49 391 74440-46

E-Mail: heise(at)laf-lsa.de