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ÖGP-Projekt Bitterfeld-Wolfen

Rahmendaten

Lage:Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Stadt Bitterfeld-Wolfen
Größe:1.300 ha
Der Projektbereich entspricht weitgehend dem ÖGP Bitterfeld-Wolfen.
Schadstoffpotenzial:Die spezielle Gefährdungssituation ergibt sich aus dem Wiederanstieg von teilweise kontaminiertem Grundwasser im ÖGP Bitterfeld-Wolfen.
Sicherungsmaßnahmen: bauliche Abdichtung und Auftriebssicherung von Gebäuden, Anlagen und Infrastruktur; Grundwasserabsenkung mittels Drainagen; Überwachung von Grundwasserständen und -beschaffenheit

Grundwasserbelastung durch jahrzehntelange industrielle Nutzung

Die heutige Doppelstadt Bitterfeld-Wolfen zählt zu den ältesten Industriestandorten in Deutschland. Mit dem Beginn der Braunkohleförderung Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich hier die chemische Industrie. Im Zuge der intensiven industriellen Nutzung, durch unsachgemäßen Umgang, Havarien und Kriegszerstörungen gelangten Schadstoffe in den Boden, die im Laufe der Jahrzehnte bis in das Grundwasser vorgedrungen sind.

Der dadurch entstandene Schaden umfasst weitgehend das gesamte rund 1.300 Hektar große Werksgelände. Aufgrund der Fließrichtung in Richtung Mulde besteht die Gefahr, dass sich das schadstoffbelastete Grundwasser auch auf andere Bereiche der Stadt bzw. der Ortsteile ausbreitet. 

Im Fokus: Sicherung und Sanierung des Grundwasserschadens

Schwerpunkt des Ökologischen Großprojekts (ÖGP) Bitterfeld-Wolfen sind Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung des vorhandenen Grundwasserschadens. Die Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen des ÖGP Bitterfeld-Wolfen konzentrieren sich auf zwei wesentliche Ziele: 

  • die Ausbreitung des Grundwasserschadens und damit verbundene Gefährdungen für Grund- und Oberflächenwasser zu verhindern sowie 
  • Gefahren für Mensch und Umwelt durch kontaminiertes Grundwasser zu verhindern, das in oberflächennahe Bereiche aufsteigt. 

Um die Ausbreitung des belasteten Grundwassers zu verhindern, sind in den vergangenen Jahren sogenannte Abstromsicherungen eingerichtet worden. Dabei handelt es sich um  

  • Dichtwände, die bis in eine Tiefe von 15 Metern reichen, sowie um 
  • Brunnenriegel, über die kontaminiertes Grundwasser gehoben und gereinigt wird, z. T. unterstützt von Horizontaldrainagen.  

Um die Sanierungsziele zu erreichen, müssen diese Abstromsicherungen dauerhaft betrieben werden. Eine vollständige Dekontamination des belasteten Grundwassers ist aufgrund der Dimension des Schadens in überschaubaren Zeiträumen nicht realistisch.   

Über die Brunnenriegel werden jährlich etwa 2-2,7 Mio. Kubikmeter Grundwasser gehoben und gereinigt. Für die weit mehr als 200 durchgeführten Einzelmaßnahmen des ÖGP Bitterfeld-Wolfen sind bislang rund 380 Mio. Euro aufgewendet worden.  

Das ÖGP Bitterfeld-Wolfen steht in enger Wechselwirkung zu anderen Projekten  um Bitterfeld. Dazu gehören z. B. die Projekte „Chemieparksicherung Bitterfeld-Wolfen“ und „Stadtsicherung Bitterfeld“. 

Vorbereitung für Neuansiedlung von Unternehmen

Neben den Sofortmaßnahmen zur Verhinderung von Gefahren für öffentliche Schutzgüter wurde in den vergangenen Jahren auch daran gearbeitet, die Altstandorte für die Neuansiedlung von Unternehmen vorzubereiten. So wurden z. B. die hochgradig kontaminierten Gebäuden und Anlagen des Vulkazit- und Thiurambetriebs und der Chloralkali-Elektrolyseanlagen Chlor I und III abgerissen und entsorgt. Die Flächen sind entsprechend der vorgesehenen Nutzung saniert worden.

Im heutigen „Chemiepark Bitterfeld-Wolfen“ haben sich inzwischen mehr als 300 kleine, mittelständische und Großunternehmen angesiedelt. Dazu gehören u. a. die Akzo Nobel GmbH, die Bayer Bitterfeld GmbH und die Guardian Flachglas GmbH.  

Wichtige Meilensteine im Überblick

1994
  • Erfassung Sachstand, Konzepterarbeitung 
1994-1999
  • Sofortmaßnahmen im Boden- und Oberflächengewässerbereich  

  • Systematische Erkundung der Teilflächen des Werksgeländes und der Deponien  

  • Aufbau eines systematischen Grundwasser-Monitorings 

 
1999-2006
  • Errichtung der Brunnenriegel (Abstromsicherungen) sowie der zugehörigen Reinigungsanlagen  

  • Detailerkundungen und Sanierungsuntersuchungen für Teilflächen und Altablagerungen  

  • Bodensanierungsmaßnahmen 

 
seit 2007
  • Kontinuierliche Optimierung der Abstromsicherungen  

  • Fortsetzung der Erkundung von Schadstoffquellen  

  • Lokale Quellensanierungsmaßnahmen wie  

  • Quellensanierung Chlorbenzole durch Bodenaustausch mittels Großbohrlochverfahren,  

  • Hotspot-Sanierung einer HCH-Ablagerung durch Bodenaustausch,  

  • Sanierung der Absetzbecken "Klärteiche Süd“ durch Stabilisierung und Abdeckung  

  • Untersuchung von Belastungen außerhalb der Kernfläche des ÖGP, insbesondere in der Muldeaue 

 


Ansprechpartner

Evelyn Schaffranka

Telefon: (0391) 7 44 40-50

E-Mail: schaffranka(at)laf-lsa.de